Liebe auf den ersten Blick

Das erste Date

Liebe auf den ersten Blick, gibt es das? Ja! Ich hab es gesehen und gefühlt. Bei der ersten Begegnung von drei Geschwistern. Ich war so gespannt wie es werden würde wenn VP seine Geschwister kennenlernt. Als ich schwanger wurde, war er ziemlich genau eineinhalb. Wir haben von Anfang an ganz offen vor ihm über alles geredet, dachten wir doch er würde es sowieso noch nicht so richtig verstehen.

 

Doch mit der Zeit haben wir dann gemerkt, dass er sehr wohl versteht, dass er in naher Zeit Geschwister bekommt. Als die Babys sich dann deutlich bewegten fand er sehr viel Spaß daran immer wieder mit seinen kleinen Fingerchen in meinen Bauch zu piksen und sich kaputt zu lachen wenn sie ihn dann gegen seine Hand traten.

»Hallo Babys«

Er rief es immer wieder ganz laut, wenn er das tat rührte sich immer mindestens einer in meinem Bauch. Auch VP war irgendwann sehr ungeduldig, er wollte einfach dass sie da raus kommen. Ganz oft erzählte er uns, dass er sie dann küssen und auf sie aufpassen wird.

Wir wurden sehr, sehr oft gefragt ob wir denn keine Angst haben, dass der große Bruder eifersüchtig sein könne. Diese meiner Meinung nach wirklich unnötige Frage konnte ich immer sehr selbstbewusst mit einem klaren »nein« beantworten. Warum soll man sich denn bitte bei so einer schönen Sache solche unnötigen Gedanken machen? Klar, sicher kommt Eifersucht unter Geschwistern oft vor, aber bei einem knapp 2-jährigen Kind hatte ich da keine Bedenken. Ich kenne seinen starken Charakter, aber da sah ich so viel Liebe, Empathie und Freude, und darauf freute ich mich. Wir haben uns auch ganz bewusst gegen ein Geschenk für ihn als Mitbringsel entschieden, da er ja schon das größte Geschenk überhaupt bekommen würde.

 

»ooooh Zwillewinge da??«

Ich sollte recht behalten, die Babys kamen morgens um kurz vor 10 Uhr auf die Welt und nachmittags gegen 15 Uhr kam VP zu uns ins Krankenhaus.

Ich hörte ihn schon kommen und hatte in dem Moment schon Tränen in den Augen. Er kam ins Zimmer gestiefelt und sagte »ooooh Babys da??«. 

Er kletterte direkt aufs Bett und streichelte sie. Wahrscheinlich könnte ich mich gar nicht mehr so detailliert erinneren, hätte ich nicht die Kamera laufen gehabt um diesen Moment festzuhalten. Es gab keinerlei Berührungsängste, einfach nur ein bisschen Vorsicht, er wollte sie gleich halten. Dieser Moment als er die kleine P hielt war so unglaublich schön, er beugte sich über sie und gab ihr einen Kuss. Da war einfach nur Liebe. Er war kaum nach Hause zu bringen so verliebt war er in sie.

 

Ich hatte ab dem zweiten Tag eher das Gefühl er sei sauer auf mich, weil ich nicht bei ihm war. Wir hatten uns dazu entscheiden das er zur Geburtseinleitung schon bei den Großeltern war. Um ihn nicht zu lange aus seinem Alltag rauszunehmen und von zu Hause fernzuhalten blieb mein Mann die erste Nacht bei uns im Krankenhaus und am nächsten Tag ging er dann mit VP zu uns nach Hause und er auch direkt wieder in die Kita. Es war zwar eine besondere Situation, ich dachte aber so machen wir es ihm leichter damit umzugehen.

Eine Nachtschwester mit der ich mich unterhielt riet mir zu Bachblüten für VP um ihn gut im Gleichgewicht zu halten. Ich bin davon überzeugt dass es ihm gut getan hat und auch heute noch tut. 

»gleich, Mama«

Natürlich war der Start zuhause nicht einfach für uns alle. VP hatte zwar soviel Spaß und Freude an seinen Geschwistern er musste aber auch etwas ganz schwieriges lernen, das Warten. Ich weiß gar nicht wie oft ich zu ihm sagte »gleich …«, das machte sich natürlich auch dahingehend bemerkbar, dass er mir genauso gegenüber trat. Ich musste also auch lernen, dass mein sonst wirklich sehr zuverlässiges Kind mich jetzt auch warten lies, beim Jacke anziehen, beim Aufräumen, wenn er zu mir kommen sollte … ziemlich oft. Aber okay, so konnte auch ich mich in noch mehr Geduld üben. 

Er wollte von Anfang immer helfen, sobald wir Anstalten machten die Babys wickeln zu wollen kam er schon angerannt und brachte uns Windeln oder Feuchttücher, machte die Windeln auf und wollte den Inhalt überprüfen. So weit es ging  ließen wir das alles zu. Wir versuchten ihm großes Vertrauen zu geben, denn es machte ihn so unsagbar stolz wenn er uns helfen konnte.

Natürlich mussten wir das ein oder andere mal die Zähne zusammenbeißen wenn er, unserer Meinung nach, die Zwillinge mal wieder etwas grober anpackte. Die Babys aber waren einfach nur fasziniert, sie haben VP direkt ganz besonders angeschaut. Es hatte wirklich etwas ganz zauberhaftes, er sprach mit leiser Stimme, senkte seinen Kopf ganz nah an ihren heran und schaute ihnen ganz tief ihn die Augen und streichelte ihre Köpfchen.

 

Heute sieht die ganze Sache nicht großartig anders aus, außer dass er das Wickeln bzw. das Windel ausziehen schonmal selbst übernimmt wenn er der Meinung ist es sei mal wieder an der Zeit, sie einfach mal komplett auszieht wenn du sie fünf Minuten vorher angezogen hast, oder ihnen auch mal sagt sie seihen »Nervensägen« und sich die Ohren zu hält.

Er sagt ihnen dass er sie liebt, übersät sie mit Küssen, steht vor ihrem Bett und sagt ihnen so lange dass sie die Augen aufmachen sollen bis sie es tun. Manchmal weiß er besser als ich wer gerade weint »nein Mama, das ist Bo«, gibt ihnen die Flasche wenn er der Meinung ist sie haben Hunger oder belehrt mich, dass sie gerade müde sind oder Bauchweh haben. Ich liebe es so sehr sie heimlich zu beobachten wenn alle drei nebeneinander im Bett liegen und man hört wie VP »wie schön, dass du da bist« singt.

 

 

Wenn du das siehst, dann weisst du, dass du alles richtig gemacht hast.