Seelenschmerzen

Vermissung

Es gibt so viele Arten jemanden zu vermissen. Die schlimmste Art ist aber wenn man jemanden so sehr vermisst, dass es wehtut. Ich vermisse ganz intensiv, wenn mir jemand fehlt dann fühlt es sich wirklich an wie Phantomschmerz, als schmerzt etwas das man nicht fassen kann. Für mich ist Vermissen das schlimmste Gefühl, man kann es nicht ausblenden es ist immer da, diese schreckliche Sehnsucht die mich jede Sekunde meines Tages begleitet.

Ich habe 2 Jahre in Spanien gelebt, ich war zwar nicht bei meiner Familie aber ich hab dort ganz wundervolle Menschen getroffen die mir das Gefühl von Zuhause geben konnten. Damals wusste ich immer, dass meine Familie nicht greifbar ist, das war aber okay. Natürlich hatte ich auch Heimweh ich habe sie vermisst, aber ich konnte gut damit umgehen weil ich diese Entscheidung bewusst getroffen habe und ich jederzeit wusste, dass ich zurück kommen kann. Das gab mir eine enorme Sicherheit und so ist es auch Heute, wenn ich meinen Mann mal zwei Tage nicht sehe ist das für mich schon schrecklich lange, aber am Ende des Tages kann ich trotzdem einschlafen, weil ich weiss, dass er wieder kommt.

 

Manchmal aber ist ein Mensch dir ganz nah, du darfst ihn aber nicht sehen weil ihr es euch selbst verboten habt, weil es nicht vernünftig ist euch zu sehen. Weil der Eine den Andern oder noch einen Andern schützen will.

Und das ist das schlimmste, es tut so weh zu wissen, dass du nur eine U-Bahnfahrt von deinem Glück entfernt zu sein scheinst du aber nicht sollst, nicht kannst. Du einfach so verloren bist, du so vermisst.

Wie soll man in so einer Situation nur handeln? Der Kopf sagt so, das Herz spricht ganz anders. Wiegt dein Vermissen mehr, als seines wenn er für dich jemand anderen vermissen soll? Kann man das neue genauso vermissen wie das vertraute? Ist es das wert? Das sind so komplexe Fragen auf die man verzweifelt eine Antwort sucht. Gefühle kann man leider nicht in eine Statistik packen und auswerten. Wenn man aber wochenlang nur in sich hinein fühlt ist auch da irgendwann eine Leere. Und dann? Aufhören zu fühlen geht ja nicht und aufhören zu vermissen auch nicht. 

So geht es gerade einer sehr guten Freundin von mir. Ich fühle so mit ihr, dass es mir selber nicht gut geht. Ich vermisse sie auch, möchte für sie da sein, kann es aber gerade nicht weil meine Kinder mich hier brauchen, denn auch sie würde ich unsagbar vermissen. Meinen großen Sohn konnte ich vor 2,5 Jahren noch ohne Probleme über Nacht bei den Großeltern schlafen lassen ohne ihn großartig zu vermissen. Wir machten uns schöne Abende, gingen aus und hatten dieses »früher Gefühl«. Es tat gut mal einen Tag oder eine Nacht abzuschalten. Ich war auch beruflich mal ein paar Tage unterwegs. Ich vermisste meine Jungs, gleichzeitig war ich aber immer auch sehr glücklich noch was bewegen zu können und ein bisschen zu sein wie früher.

Das hat sich jetzt verändert. Wenn ich meine Zwillinge einmal pro Woche zu meinem Vater bringe, dann vermisse ich sie schon nach einer Stunde und gucke ständig auf mein Telefon und warte auf die Fotos die er mir immer schickt. Momentan kann ich mir noch nicht vorstellen die Zwillinge über Nacht bei meinen Eltern zu lassen, auch das war bei VP ganz anders. Ich glaube er schlief schon das erste mal mit 8 Wochen allein bei Ihnen.

Wer jetzt denkt »paaaaaah die schiebt ihr großes Kind ab und hat die kleinen viel lieber «  den muss ich jetzt leider enttäuschen, ich vermisse meinen VP seit der Geburt der Zwillinge auch viel mehr, irgendwie hat sich mein Muddisein nochmal total verändert. Manchmal vermisse ich Ihn so stark, dass ich Ihn wenn ich zuhause bin schon ganz früh aus der Kita abhole um ihn bei mir zu haben. Er findet das manchmal gar nicht so schön und ist sogar schon in Tränen ausgebrochen, weil er lieber noch in der Kita spielen wollte. 

Für mich gibt es momentan einfach keinen Ort an dem ich mehr gebraucht werden könnte als hier zuhause. Mit zehn Füßen in einem Bett und  Patschehändchen im Gesicht.

Dennoch vermisse ich auch meine Freundin, diesen Teil meines alten Lebens, die Möglichkeit einfach alles stehen und liegen lassen und in den nächsten Zug steigen, sie umarmen und einfach 2 Tage und Nächte reden, weinen und füreinander da sein. Kette rauchen, Wein trinken, Disney Filme schauen und in einem Bett schlafen.

Ich glaube ich muss das tun, ich muss zu ihr fahren, denn manchmal vermisse ich es auch eine gute Freundin zu sein.