Großes Vertrauen

Kita unter einem Jahr

So unterschiedlich wie jede Familie sind auch die Vorstellungen in Sachen Fremdbetreuung, oft wird in Gesprächen mit oder über Mütter schnell die Keule geschwungen und das Vorgehen der anderen kritisch beäugt, es scheint normal zu sein, dass man ständig über andere urteilt wirklich schrecklich finde ich es aber andere zu verurteilen ohne die jeweiligen Gründe zu kennen. Ich wage mich zu sagen, dass es in den wenigsten Fällen der große Wunsch einer Mutter ist ihr Kind im Babyalter in eine Kita oder zu einer Tagesmutter zu geben. So war dies nämlich bei uns, ich habe nach der Geburt von VP schon nach drei Monaten wieder angefangen zu arbeiten. Nicht weil ich wollte, sondern weil ich musste.

Da bereits in der Schwangerschaft klar war, dass mehr als ein ein Jahr Elternzeit finanziell nicht drin sein wird, habe ich mein ungeborenes Baby schon in der Schwangerschaft, ohne Geschlecht oder Namen zu kennen in unserer Wunschkita angemeldet. Es fühlte sich so verdammt komisch an, ich weiss noch genau wie ich dachte, dass ja noch »sooooo verdammt lang« hin ist. Dem war aber nicht so. Als mein Sohn geboren wurde war ich natürlich sehr beschäftigt und dachte ganz und gar nicht ans arbeiten. Ich war von Anfang an allein Zuhause, da mein Mann sehr viel arbeiten musste, das war auch okay für mich schliesslich musste ja einer für unseren Unterhalt sorgen, denn mein Elterngeld fiel leider sehr niedrig aus und wenn ich von niedrig spreche, dann ist das wirklich nicht untertrieben.

Dann kam es aber leider so, dass die Firma in der mein Mann arbeitete eine ganze Reihe an Mitarbeitern entlassen musste, darunter auch er. Es ist nicht zu beschrieben wie sich das anfühlt wenn du mit einem frisch geborenen Baby zuhause sitzt und du so eine Hiobsbotschaft bekommst, es ist mir wirklich den Boden unter den Füßen weggerutscht und ich spreche nicht nur von dem Moment sondern von einer wirklich langen Zeit in der es mir sehr schlecht ging, ich hab so geheult, laut und voller Verzweiflung weil ich einfach nicht mehr weiter wusste.

»Alles wird gut«

Egal was passiert ich habe eigentlich immer das Vertrauen, dass »alles gut« wird, in dieser Situation aber war ich einfach nur am Ende und dachte es gibt keine Lösung für uns. Im Nachhinein betrachtet war alles natürlich nicht so schlimm, schließlich hatte er 6 Monate Kündigungsfrist und genau so lange Zeit einen neuen Job zu finden im Hormonchaos, sieht und fühlt man da aber einfach anders.

In der für mich absolut verfahrenen Situation habe ich dann wieder angefangen zu arbeiten um wenigstens etwas vorzusorgen für die Zeit in der mein Freund eventuell arbeitslos sein könnte. Ich konnte nicht einfach zu Hause sitzen und warten bis es weiter geht, also musste ich was tun und das hat mir extrem geholfen aus diesem Loch raus zu kommen, so konnte ich meinen Freund auch besser motivieren als wenn ich jeden Tag nur weinte und ihm so auch immer wieder das Gefühl gab es sei alles seine Schuld, was zwar definitiv nicht so war, sich für ihn aber so angefühlt haben muss.

Es war hart, sehr sogar, zumal ich körperlich eigentlich auch noch nicht fit genug war, seelisch ging es mir auch wirklich viel besser. Ich vermisste mein Baby auch überraschend wenig während der Arbeit, natürlich guckte ich wesentlich öfter auf die Uhr und hielt nach der Arbeit keinen entspannten Plausch, denn dann wollte ich einfach nur nach Hause. In der Vergangenheit nahm ich immer viel von der Arbeit mit nach Hause das machte ich jetzt auch nicht mehr, denn zu Hause war Familie, und ich war schon in der Situation weniger Zeit mit meinem Baby zu haben, also musste ich da klare Grenzen ziehen.

VP konnte leider nicht gestillt werden von daher war er von Anfang an schon ein großes Papakind. Er ließ sich von ihm besser beruhigen, in den Schlaf tragen und strahlte ihn an wie keinen anderen. Natürlich ist das hart als Mutter und lässt dich oft an deinen Mutterqualitäten zweifeln, aber für eine Sache war es gut, ich musste mir keine Sorgen machen, dass er mich zu sehr vermissen würde. So klappte die Vater Sohn Gesellschaft zuhause wunderbar, meine Schwägerin kam oft zur Unterstützung und so meisterten sie das alles wirklich gut. Es sah zwar, absolut klischeemäßig immer so aus als hätte eine Bombe eingeschlagen, es war nie gekocht in den seltensten Fälle Wäsche gewaschen aber uns allen ging es gut damit.

 

»Warte, das ist noch nicht alles …«

Durch einen sehr glücklichen Zufall fand H auch schnell wieder einen neuen Job, einen viel besseren und das auch noch in unserer Stadt und mit vielen weiteren Vorteilen für uns als Familie. Dann war eigentlich klar, dass ich dann wie geplant für die nächsten 6 Monate wieder zuhause bleibe. Wir wären aber nicht Wir wenn nicht alles wieder anders kommen sollte... H sollte im März wieder anfangen zu arbeiten, im Februar rief mich dann die Kita an und teilte mir mit, dass sie uns statt wie gewünscht im Juli einen Platz zum ersten März anbieten können, würden wir den nicht nehmen gäbe es im Sommer leider gar keinen, da diese Gruppe neu gegründet werden würde. »Puuuuuuuh und jetzt?!« 
Es war unsere absolute Wunschkita, für mich gab es wirklich nur die Eine oder Keine, ich hab mich direkt wohl und willkommen dort gefühlt, sie war gerade mal ein halbes Jahr alt und es war alles so liebevoll eingerichtet und ausgestattet. Es ist eine reine Krippe für Kinder von 8 Wochen bis 3 Jahren, es sind insgesamt 90 Kinder dort. Davon bekommt man aber relativ wenig mit, denn in jeder Gruppe sind maximal 10 Kinder mit 3 Erzieherinnen. Es geht erstaunlich ruhig und gesittet zu. Jede Gruppe hat einen eigenen Schlafraum und ein eigenes Bade- und Wickelzimmer. Man fühlt sich wirklich wie in einer Miniaturwelt dort. Es ist sehr Kindgerecht, detailverliebt und persönlich gestaltet, die Fächer und Schubladen sowie persönliche Gegenstände sind immer mit Fotos markiert, so dass die Kinder immer wissen was ihnen ist und wohin es gehört.

Jedes Kind hat sein eigenes »Ich Buch« in dem Familienfotos, Fotos des Kindes und Erinnerungen reingeklebt werden, es ist eingeschweisst so dass die Kinder es sich immer selbst nehmen und anschauen können. Das Ernährungskonzept passte auch perfekt zu unseren Vorstellungen, alles BIO. Es gibt ein eigenes Küchenteam, die die Brote und Brötchen backen und alle Speisen frisch zubereiten, vegetarisch und einmal pro Woche Fisch. Was mich noch begeisterte war, dass komplett auf Zucker verzichtet wird was für uns aufgrund VP´s Neurodermitis sehr wichtig war, so müssten wir uns darüber auch gar keine Gedanken machen. Als ich mir die Kita damals in der Schwangerschaft noch im Rohbau das erste mal angeschaut habe ich ein absolut positives Bauchgefühl gehabt, also haben wir uns dafür entschieden nicht noch fünf Monate zu warten um dann vielleicht gar keinen passenden Platz zu bekommen, die Kita Situation hier in der Stadt ist nämlich alles andere als ein Zuckerschlecken. 

Eingewöhnung mit 7 Monaten

Hört sich erstmal hart an, war es aber überhaupt nicht, da unsere Gruppe ja neu eröffnet wurde hatten zeitgleich noch sechs weitere Kinder ihre Eingewöhnung. VP und ein kleines Mädchen sind ziemlich genau gleich alt, die anderen waren zwischen eins und fast zwei.

Bei den beiden kleinsten funktionierte die Eingewöhnung am schnellsten und ohne Probleme. Zu dem Zeitpunkt hatte VP noch nie gefremdelt, er war sehr offen und hat innerhalb kürzester Zeit sehr großes Vertrauen zu seinen Erzieherinnen aufgebaut. Später fremdelte er in ganz normalem Ausmaß, aber nie gegenüber seinen Erzieherinnen, die wurden jeden morgen mit offenen Armen begrüßt, für ihn gehören sie einfach komplett dazu, und das von Anfang an.

Die komplette Eingewöhnung war nach nicht mal 2 Wochen abgeschlossen, mit einem sehr ausgeglichen Kind ohne auch nur ein Träne. Ich spürte es jeden Morgen, dass er gern in die Kita ging, er strahlte und zappelte sobald wir auf den Parkplatz fuhren.

Ja, mein Baby ist in der Kita zum Kleinkind geworden. Er war mir aber immer sehr wohl gesonnen sein erstes Wort, sein erstes robben und seine ersten Schritte passierten alle bei uns, weil wir sein Zuhause sind. Trotzdem tut es mir gut zu wissen, dass er wenn ich nicht für ihn da sein kann einen wundervollen Ort hat an dem er sich wohl fühlt und der zu seinem Leben dazu gehört. Er lernt jeden Tag so viel neues, ist so unglaublich selbstständig und sozial und das macht ihn so stolz und mich glücklich.

Würde ich es wieder so machen?

Ja, ich bereue diese Entscheidung keinen Tag, nur die ständige Rechtfertigung stört mich.

Ich gehe seit dem Ende meines Mutterschutzes wieder arbeiten, thematisiere es aber sehr ungern weil ich vor allem am Anfang selbst noch gar nicht damit zurecht kam und dann mitleidige und zweifelnde Blicke nicht gerade zu einer Verbesserung beitragen. Gerne wollte ich dieses mal ein komplettes Jahr zuhause bleiben, da wir aber ein Haus bauen, aus einem Baby zwei geworden sind und sich die Elterngeld Situation für mich leider nicht verbessert hat gab es für mich keine Wahl.

Jetzt sind drei Monate rum und wir haben die Zeit durch tatkräftige Unterstützung meiner Familie überstanden. Jetzt ist heute mit fünf Monaten unser erster Kita Tag, wie es bei den Zwillingen laufen wird kann ich jetzt noch nicht sagen, ich bin aber sehr optimistisch und freue mich, dass meine Kinder sehr gut betreut sein werden.